It’s getting boring: Bildungsstreik 2014

Für Mittwoch, den 25. Juni 2014 ruft der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität Mainz zu einer „Großdemonstration“ (Zitat Demoaufruf) in Wiesbaden auf. Thema ist die mangelnde Finanzierung von Bildung. Auch wenn Jungdemokrat_innen/Junge Linke (JD/JL) Mainz sich gerne vom Gegenteil überraschen lassen, dürfte die Resonanz der Demonstration – wie bereits in den vergangenen Jahren seit 2009 – eher gering ausfallen.

Mit Forderungen nach besserer finanzieller Ausstattung von Universitäten, besseren Arbeitsverhältnisse der Angestellten, besserem BAföG, mehr Demokratie und Breitenförderung statt Exzellenz möchte der AStA die stressgeplagten Studierenden auf die Straße bringen. Zwar sind die Forderungen für sich alle ganz nett und auch nicht ganz verkehrt, sie weisen aber über das Bestehende nicht hinaus und begnügen sich mit einer besseren Verwaltung des Elends.

So kritisiert der Aufruf das Bild einer „unternehmerischen Hochschule“ und fordert stattdessen eine „allumfassende Demokratisierung“ der Hochschule. Was damit gewonnen werden soll, bleibt unklar. Wie so oft, wenn der Ruf nach Volksabstimmungen und Bürgerbeteiligung losgeht, steckt dahinter die Mär vom guten Volk, die Überzeugung, alles würde besser werden, wenn Entscheidungen nur von mehr Leuten getroffen werden.

Es haben jedoch nicht nur irgendwelche Uni-Gremien, Ministeriumsangestellte oder der Präsident Interesse daran, dass ihr Laden so gut wie möglich brummt, sondern es liegt im direkten Interesse der Studierenden, ihre eigene Arbeitskraft später so gut wie möglich verwertbar zu machen. So ist Bildung vor allem eines: eine Investition in die eigenen, mageren Zukunftsperspektiven. Die Europäische Union nennt das ganze „Employability“.

In den vergangenen Jahren war zumindest noch die Rede vom sogenannten „Humboldt’schen Bildungsideal“. Unter Bezug auf den Begründer des deutschen universitären Systems wurden darunter diejenigen Element gefasst, die Bildung laut Bildungsstreik eigentlich sein soll, z.B. Bildung als Selbstzweck. Zwar wurde dankenswerterweise dieses Jahr auf eine romantisierter Verwendung dieses Begriffes verzichtet, jedoch ging mit dem Preußen Humboldt auch die letzte Perspektive verloren, die über die bestehende Auffassung von Bildung als Employability hinauswies.

Wenn noch etwas Sozialromantik übrig bleibt, dann dort, wo es um die universitären Arbeitsverhältnisse geht. Fast aus einem Wunschzettel an den Weihnachtsmann könnte die Forderung nach Wissenschaftsprozessen stammen, an denen alle „unbedrängt von Befristung, schlechter Bezahlung und aufgezwungenen Arbeitszeitmodellen“ mitarbeiten können.
Das ist natürlich keine schlechte Sache: Vollanstellung für alle und am liebsten noch das gute Mensa-Essen oben drauf. Dass Arbeitsverhältnisse sich immer durch Zwang auszeichnen, wird jedoch nicht zuletzt da klar, wo die Verhältnisse noch prekärer sind als an der Uni. Diese prekären Arbeitsverhältnisse können auch nicht durch mehr Bildung für alle aufgehoben werden: Weder der Zugang dazu noch eine wie auch immer gestaltete Chancengleichheit schließt mit ein, dass für alle hinterher auch ein gutes Leben herausspringt.

Jungdemokrat_innen/Junge Linke Mainz möchten jedoch niemandem den Spaß an der guten Sache verderben. Wer zu der Musik von vor fünf Jahren die Banner von vor fünf Jahren hochhalten möchte, ist in Wiesbaden am 25. Juni bestens aufgehoben.


Demoaufruf des AStA der Uni Mainz